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„Einen guten Mathematiker kann man immer gebrauchen!“

07.05.2019

Stephan Sorgatz ist Magdeburg auch nach seinem Abschluss treu geblieben. Nach Bachelor, Master und Promotion pendelt er jeden Tag nach Wolfsburg, um seiner Tätigkeit bei Volkswagen nachzugehen. (Foto: Jana Dünnhaupt)

„Ich glaube, ich gehe nicht als der klassische Nerd durch“, grinst Stephan Sorgatz. „Mir fiel Mathematik in der Schule immer ziemlich leicht und ich hatte Spaß daran“, sagt der 30-Jährige Doktor der Mathematik auf die Frage, ob er in seiner Schulzeit bereits ein „Matheass“ war. Aufgewachsen ist Stephan Sorgatz in Bernburg – eine Kleinstadt, die etwa auf halber Strecke zwischen Halle und Magdeburg liegt. Der Bachelorstudiengang Computermathematik an der Otto-von-Guericke Universität (OVGU) hat den Vorwärtsmacher 2007 aber an die Elbe anstatt an die Saale gelockt. „Ich fand den Studiengang spannend, er wurde nur an wenigen Unis in Deutschland angeboten“, erzählt der Mathematiker. Ein weiteres, großes Plus für Magdeburg: Die Nähe zu seiner Heimat, was ihm bei der Auswahl des Studienortes wichtig war.

„An der Mathe-Fakultät herrscht ein sehr gutes Klima. Es sind relativ viele Professorinnen und Professoren pro Student, dadurch kennt man sich und kann die Dozenten auch immer erreichen“, erzählt Stephan Sorgatz. Auch abseits der Vorlesungen ist ihm seine Studienzeit in Magdeburg in guter Erinnerung geblieben: „Die erste gemeinsame Wohnung mit meiner heutigen Frau und ein neuer Freundeskreis, mit dem wir echt viel unternommen haben. Obwohl wir mittlerweile ziemlich zerstreut leben, ist der Kontakt immer noch sehr eng“, erzählt der Mathematiker. Nach seinem Masterabschluss begann er 2012 für die Volkswagen AG zu arbeiten. Der Übergang vom Studierenden- ins Berufsleben sei eine Umgewöhnung gewesen. „Vor allem hatte ich schlagartig weniger Zeit“, erinnert sich der ehemalige Student. „Die letzte Zeit im Studium war ziemlich entspannt und ich hatte viel Freizeit.“ Dennoch hat sich der Vorwärtsmacher schnell an den Berufsalltag gewöhnt. „Dadurch, dass mir bei VW ein eigener Projektbereich zugeteilt wurde, hatte ich viele Freiheiten und konnte mich ausleben – und ich hatte auch sehr nette Kollegen“, sagt er.

Ein Jahr später, im Jahr 2013, startete Stephan Sorgatz parallel zu seiner Tätigkeit bei Volkswagen seine Promotion an der OVGU und ist seit 2017 Doktor der Mathematik. Aber was macht ein Mathematiker eigentlich in einem Automobilunternehmen? „Eine ganze Menge“, sagt Sorgatz. „Es gibt allerdings keine ‚klassische‘ Stelle für Mathematiker“, erzählt er. „Als ich während meines Studiums auf der Suche nach einem Praktikumsplatz war, hat ein VW-Mitarbeiter gesagt: ‚Einen guten Mathematiker kann man immer gebrauchen.‘“ Inzwischen kann der Vorwärtsmacher diese Aussage gut nachvollziehen. Es seien vor allem die Soft Skills, die man während des Mathematik-Studiums erlernt, die Mathematiker im Berufsalltag auszeichnen: Den Kern von Problemen schnell zu erfassen, analytisch und strukturiert zu denken und auch komplexe Fragestellungen auf das Wesentliche reduzieren zu können. „Das hilft im beruflichen Alltag auch bei der Kommunikation, wenn man sich nicht lange an Nebensächlichkeiten aufhält, sondern die Hauptmessage rüberbringen kann“, erzählt der Mathematiker. 

Vorwärtsmacher sind aktiv, gestalten gern und möchten etwas verändern. Bei uns kannst du deine Ideen, Talente und Vision einbringen.

Setz etwas in Bewegung!

In seinem Arbeitsalltag hat Dr. Stephan Sorgatz immer wieder mit anderen Mathematikerkollegen zu tun, die alle in unterschiedliche Aufgaben und Themenbereiche eingebunden sind. „Das ist auch definitiv ein Vorteil an der Ausbildung: Man ist sehr vielfältig einsetzbar. Ich beschäftige mich seit kurzem beispielsweise mit neuartigen Mobilitätsservices und Künstlicher Intelligenz für autonome Fahrzeuge.“ Schon während seines Masterstudiums hat sich der Vorwärtsmacher intensiv mit dem Bereich der mathematischen Optimierung beschäftigt und Kenntnisse vertieft, die er heute im Berufsleben häufig benötigt. „Ansonsten sind es die Programmierkenntnisse, die mir in meiner täglichen Arbeit weiterhelfen. Da kommt man nicht drum herum. Es bringt nicht viel, sich Konzepte und Algorithmen zu überlegen, sie dann aber nicht selbst umsetzen zu können.“

Sein Tipp für alle Studienanfänger: Durchbeißen! Gerade die Umstellung von der Schule zum ersten Semester an der Universität sei gewaltig. „Da muss man dranbleiben. Es hilft eine Menge, wenn man sich eine gute Truppe sucht und gemeinsam an den wöchentlichen Übungsaufgaben arbeitet. Alleine wäre ich vermutlich aufgeschmissen gewesen“, erzählt der promovierte Mathematiker im Rückblick. Für alle, die nach dem Bachelor noch einen Master anhängen, empfiehlt er, das Praktikum dazu zu nutzen, sich eine berufliche Perspektive zu schaffen. „Es lohnt sich manchmal auch, länger als vorgeschrieben in der Firma zu arbeiten“, sagt Vorwärtsmacher Stephan Sorgatz, „ich kenne einige, die nach dem Praktikum dann Gelegenheit bekommen haben, im Unternehmen ihr Berufsleben zu starten.“