Vom Körper zum Geist und zurück – Philosophieren tut weh

14.00 – 14.45 Uhr | Hauptcampus  | Gebäude 22A  | Raum 112

Wie ist eigentlich das Verhältnis von Gehirn zu Geist, von Leib zu Seele, von Materie zu Mentalem? Philosophen zerbrechen sich seit Jahrtausenden an diesem Punkt die Köpfe. Warum aber ist das überhaupt eine Frage, die auf eine Antwort drängt? Was steht auf dem Spiel, wenn wir uns für die eine oder andere Antwort entscheiden? In einem kurzen Vortrag erfährst du, welche Optionen wir haben und warum jede ein wenig „wehtun“ muss. Wir laden dich zum Abwägen und Diskutieren ein, bevor wir vorstellen, welche der Optionen an der Universität Magdeburg in Studium, Lehre und Forschung innerhalb des Studienprogramms Philosophie–Neurowissenschaften–Kognition verfolgt wird. Einen kleinen Vorgeschmack auf die Thematik gibt Juniorprofessor Sascha Fink im Interview.


Stellen Sie sich doch bitte kurz vor:

Ich besetze derzeit die Juniorprofessur für Neurophilosophie und beschäftige mich dort vor allem mit der Art, wie wir die Welt und unseren Geist erleben, wie wir dies wissenschaftlich untersuchen können, und inwiefern die Neurowissenschaften uns helfen können, uns selbst besser zu verstehen und zu entdecken.

Wie passen Philosophie, Neurowissenschaften und Kognition zusammen?

Auf der einen Seite gibt es immer Fragen, die die Neurowissenschaft mit neurowissenschaftlichen Methoden nicht beantworten kann. Diese können methodisch
sein („Können wir Traumberichte wissenschaftlich nutzen, um die neuronalen Grundlagen von Vorstellungsbildern zu untersuchen?“), manchmal auch
metaphysich („Hirnaktivität und mentales Erleben korrelieren miteinander, aber wie hängen sie zusammen?“) oder ontologisch („Gibt es Vorkommnisse in meinem Geist, von denen ich nichts weiß?“).

Worum geht es im Vortrag „Vom Körper zum Geist und zurück – Philosophieren tut weh“?

Philosophieren heißt auch, sich von liebgewonnenen Überzeugungen zu trennen, wenn sie zu Widersprüchen führen. Ich zeige, dass häufig geteilte Überzeugungen, die die
Grundlage unseres kulturell überlieferten Menschenbildes, unserer Rechtssprechung und unserer Vorstellung von Natur und Wissenschaften im Widerspruch stehen. Dies
zeigt, dass wir radikal überdenken müssen, wie wir über Geist und Körper denken. Dieses Überdenken ist schmerzhaft, denn eine Überzeugung aufzugeben kommt mit
Kosten. Zusammen mit den Zuhörern werden wir abwägen, was die jeweiligen Kosten sind.

Worin liegt die Motivation in diesem Themengebiet zu forschen?

Philosophie wildert in allen Bereichen menschlicher Erkenntnis – kein Thema, keine Wissenschaft, keine Praxis bleibt von philosophischer Betrachtungsweise unberührt.
Philosophieren bedeutet auch immer, nach Gründen zu fragen, warum wir dieses oder jenes glauben, für wahr erachten, oder gut heißen. Die Frage, was unserer Stellung in
der Natur ist und was wir von der Natur wie entdecken können – und wieso – scheint mir eine der spannendsten. Diesen Fragen im Tanz mit den empirischen Wissenschaften unserer Zeit nachzugehen ist eines der schönsten Unterfangen.